Von der Einfachheit einer Aussage

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„Es geht mir nicht gut“. Punkt. Schluss. So ist es im Augenblick.
Ich bin froh in der Einfachheit dieser Aussage gelandet zu sein.

Doch zuvor habe ich mich auf einer gedanklichen und emotionalen Irrfahrt befunden:
Es ging mir schon beim Aufwachen nicht gut – ich hatte das Gefühl mit dem linken Bein aufgestanden zu sein. Meine automatische Reaktion darauf war, nach der Ur-Sache für mein Unwohlsein zu suchen: Mein Partner, die Hitze, der bevorstehende Besuch, was ich alles noch nicht erledigt habe…

„Irgend etwas muss doch der Grund, irgend jemand muss doch schuld sein!“

Da merkte ich plötzlich, dass ich mein Befinden verurteile, dass es zu einem Problem geworden ist, dass ich es hasse, dass ich es einfach nicht will.

Dieses schlichte Erkennen führte mich zur Einfachheit der Aussage: „es geht mir nicht gut“. Punkt.

Ein Aufatmen: „es geht mir nicht gut. Das ist alles!“

Und da kehrte sie ein, die Prise Gleich-Gültigkeit.

Heute habe ich sehr bewusst erlebt wie sich das ganze Drama durch mein selbstfabriziertes Drum und Dran von ‚es geht mir nicht gut’ aufgebauscht hat.

Kennst Du das auch?

Das erinnert mich an eine Geschichte:

Der Bauer und das Pferd.

Eine alte chinesische Geschichte erzählt von einem Bauern in einem armen Dorf. Er galt als reich, denn er besaß ein Pferd, mit dem er pflügte und Lasten beförderte.

Eines Tages lief ihm sein Pferd davon. Seine Nachbarn riefen, wie schrecklich das sei, aber der Bauer meinte nur: „Vielleicht.“

Ein paar Tage später kehrte das Pferd zurück und brachte zwei Wildpferde mit. Die Nachbarn freuten sich alle über sein günstiges Geschick, aber der Bauer antwortete erneut: „Vielleicht.”

Am nächsten Tag versuchte der Sohn des Bauern eines der Wildpferde zu reiten. Das Pferd warf ihn ab und er brach sich beide Beine. Die Nachbarn übermittelten ihm alle ihr Mitgefühl für dieses Missgeschick, aber vom Bauer hörten sie wieder nur ein: „Vielleicht.” 

In der nächsten Woche kamen Rekrutierungsoffiziere ins Dorf um die jungen Männer zur Armee zu holen.  Ein Krieg mit dem Nachbarkönigsreich bahnte sich an. Den Sohn des Bauern wollten sie nicht, weil seine Beine gebrochen waren.

Als die Nachbarn ihm sagten, was für ein Glück er hat, antwortete der Bauer: „Vielleicht.” 

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